Tarifrunde Tageszeitungen

Demokratie braucht Journalismus


Vor dem Goethe-Park-Center in Bad Salzungen hatten
Kolleginnen und Kollegen der stz drei Kartons
übereinander gestapelt.
(Foto: Erik Hande)

Auf dem Meininger Marktplatz interessierten sich
Bürger und Touristen trotz Schmuddelwetters für die
beschrifteten Kartons.
(Foto: Antje Schreyl)

Vor dem Erfurter Einkaufstempel Anger 1 diskutierten,
inspiriert von den beschrifteten Kartons, Bürgerinnen
und Bürger über den Wert der Tageszeitung.
(Foto: Michael Schlutter)

Interesse für die Botschaften der Journalistinnen und
Journalisten auch in Weimar vor dem Pressehaus
von TA und TLZ.
(Foto: Candy Welz)
04. Sep. 2008 – Mit Installationen in den Innenstädten von Bad Salzungen, Erfurt, Meiningen und Weimar haben heute Journalistinnen und Journalisten der
6 Thüringer Zeitungsverlage auf die Funktion des Journalismus in der demokratisch verfassten Gesellschaft hingewiesen. Sie sehen ihre Aufgabe in der Mitwirkung bei der Bildung der öffentlichen Meinung und der kritischen Begleitung der gesellschaftlichen Prozesse.

Mit der gemeinsamen Aktion von DJV und ver.di an vier von sechs Verlagsstandorten fordern sie eindringlich, dass die Tageszeitungen sich gerade wegen der schnellen Informationsbeschaffung über das Internet wieder auf ihre Stärken besinnen: Analyse, Hintergrund, Kommentierung, Sprachkraft. Die Bürger benötigen Orientierung in der Informationsflut.

Belege dafür haben die Journalistinnen und Journalisten zwischen 11.00 und 14.00 Uhr auf Kartons gezeigt, die für viele spontane Diskussionen von Passanten sorgten. So war unter anderem zu lesen:

- Eine ganz üble Kiste ist der Handel mit privaten Daten: Ohne Schlagzeilen in den Medien wäre vielleicht auch Ihr Konto abgeräumt worden.

- Verstecken bringt nix:
Medien bringen Licht in Herrn Zumwinkels dunkle Liechtensteiner Geldgeschäfte.
Wir berichten auch über die Familienoffensive, Herr Ministerpräsident Althaus.

Die Journalistinnen und Journalisten wollen die Aktion zugleich als Mahnung an die Chefetagen in den Verlagen verstanden wissen, die Voraussetzungen für diesen qualitativen Journalismus zu schaffen. „Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit in den Redaktionen angekommen“, erklärte DJV-Landesvorsitzender Wolfgang Marr. „Das belegt eine Umfrage unter Tageszeitungs-Journalisten in Thüringen.“ Das eigentlich Schlimme daran ist, dass immer weniger Zeit für die Recherche bleibt – dem Kern der journalistischen Tätigkeit.

Mit der Forderung nach 7,5 Prozent mehr Gehalt und Honorare geht es den Journalistinnen und Journalisten auch um die Sicherung ihrer Unabhängigkeit. Wer nur – wie die hauptberuflich Freien – 5 Euro für das Bild oder 17 Cent für die gedruckte Zeile erhält, muss sich andere Auftraggeber suchen, was die Arbeitsbelastung in den Redaktionen weiter anwachsen lässt.