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Tageszeitungen

Totgesagte leben länger


Der Redakteur der Zukunft, so Chefredakteur Alois Kösters, liefert
neben Texten und Fotos auch Filme.

Im partizipativen Journalismus ist die Moderation der Blogs
entscheidend, prognostizierte Annika Sehl von der TU Dortmund.

Die Konferenz "Das Beste ins Blatt" zog knapp 50 Kolleginnen
und Kollegen von allen Thüringer Tageszeitungen an.

Resümee von Universitätsprofessor Michael Haller:
Wir müssen die Kulturtechnik Journalismus erklären.
Fotos: Rainer Aschenbrenner
17. Okt. 2009 – Das Internet gewinnt in jeder einzelnen Sekunde fünf neue Nutzer. In der selben Zeit werden 20 000 Suchbegriffe gegoogelt, 10 neue Blogs entstehen und die Social Networks wie Facebook und studivz gewinnen 20 neue Nutzer. Wie Tageszeitungen trotz dieser Entwicklung nicht nur überleben, sondern sogar neue Potenziale erschließen können, versuchte die Konferenz „Zukunft der Tageszeitung" der DJV Landesverbände Hessen. Sachsen und Thüringen im mdr-Landesfunkhaus in Erfurt zu klären.

Einstellung. Das war das mächtigste Schlagwort der Konferenz und gemeint war vor allem die Einstellung der Journalisten selbst. Viele Blattmacher würden Zeitung heute entweder noch genauso machen wie in den 70er Jahren, erklärte Prof. Michael Haller von der Universität Leipzig und Experte in der Journalismusforschung, oder sie würden aus einer Tageszeitung eine tägliche Wochenzeitung machen im Bestreben zu retten, was zu retten ist. „Forschungen haben aber gezeigt, dass die Menschen keine tägliche Wochenzeitung lesen wollen, wenn sie eine Regionalzeitung abonnieren", bekräftigte Haller. Vor allem die momentan sehr modernen monothematischen Seiten würden stets nur eine kleine Minderheit der Leser interessieren, für alle anderen sinke die Lesedauer noch weiter ab, weil sie nun ganze Seiten überblättern könnten.

„Die Regionalzeitung lesen die Menschen in der Regel morgens beim Frühstück. Sie ist nach wie vor Primärmedium und muss deshalb mindestens die relevanten Informationen der 20-Uhr-Nachrichten vom Vortag aufgreifen und im besten Falle weiterdrehen", erklärte Haller. Dazu sei aber in vielen Redaktionen eine Neuorganisation der Arbeitsprozesse nötig. „Blattmacher entscheiden heute zwischen 12 und 14 Uhr, wie die Zeitung aussieht, danach wird sie nur noch gefüllt. Dabei dürften die wichtigen Blattkonferenzen eigentlich erst um 20 Uhr stattfinden."

„Totgesagte leben länger." Einig waren sich Experten wie Praktiker aus dem Publikum, dass das auch für die Tageszeitungen gelten kann, wenn in den Redaktionen ein Umdenken stattfindet. Ein Umdenken, für das viele Zuhörer nach wie vor ein tragfähiges Konzept aus den Chefredaktionen und Verlagsgeschäftseitungen vermissen. Befriedigende Antworten darauf fanden auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Michael Neugebauer (freier Fernseh-Journalist), Alois Kösters (Chefredakteur Wetzlarer Neue Zeitung), Michael Bartsch (freier Printjournalist), Herbert Wessels (Chefredakteur Freies Wort), Klaus Schrotthofer (Geschäftsführer Zeitungsgruppe Thüringen) und Bernd Lammel (freier Bildjournalist), zunächst nicht.

Vortrag Annika Sehl
© DJV Thüringen, Anger 44, 99084 Erfurt