1.08.08 14:14 Alter: 5 yrs

Tarifrunde Tageszeitungen

 

Schluss mit mieser Bezahlung

Tarifrunde Tageszeitungen bei Freies Wort in Suhl

Die Kolleginnen und Kollegen von Freies Wort machten
mit einem Eis vom Alltag mal Pause.
(Fotos: Karl-Heinz Frank)

5 vor 12 versammelten sich Redakteurinnen und Redakteure von Freies Wort vor dem Verlagsgebäude auf dem Suhler Friedberg. Mit ihrer Aktion ließen sie die Geschäftsführung nicht im Unklaren, dass sie die Gewerkschaften bei der Durchsetzung der Forderung von 7,5 Prozent mehr Gehalt und Honorar für die Freien unterstützen. Unter dem Motto „Wir machen vom Alltag mal Pause - weil wir genug schuften“ verzehrten sie symbolisch ein Eis. Damit brachten sie zum Ausdruck, eine Eiszeit bei Gehältern und Honoraren nicht zu akzeptieren.

 

„Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit der Redaktionen angekommen“, erklärte DJV-Landesvorsitzender Wolfgang Marr. „Das belegt eine Umfrage unter Tages-zeitungsjournalisten in Thüringen.“ Redakteurinnen und Redakteure arbeiten bis zu 60 Stunden in der Woche und schon lange nicht mehr allein nur für die Tageszeitung. Vor allem die Online-aktivitäten der Verlage, unzählige Fotogalerien und die Beschaffung von Videosequenzen führen zu einer immensen Arbeitsverdichtung bei immer geringer werdenden Zeitanteilen für die Recherche – dem Kern der journalistischen Tätigkeit.

 

Im Gegensatz zu den täglich abverlangten Höchstleistungen werden die freien Mitarbeiter auf ein Minimum an Honorar gedrückt. 5 Euro pro Bild decken noch nicht einmal die Selbstkosten. Über Jahre hinweg haben Redakteurinnen und Redakteure moderate Gehaltsabschlüsse in Kauf genommen, was zu einer Absenkung des Reallohnes führte. Die Inflationsrate beträgt seit 2000 insgesamt 13,4 Prozent, die Gehälter stiegen nur um 9,7 Prozent.

 

Und was machen die Manager in der Verlagen? Sie fordern abgesenkte Tarife für alle neu einzustellenden Redakteure - Dumpinglöhne für Höchstleistungen. Sie reden von Qualitätszeitungen, wollen aber den Preis dafür nicht zahlen. Wenn selbst Verleger den Journalismus nicht mehr wertschätzen, wie sollen es die Leser?

 

„Unsere Arbeit ist mehr wert“, war auf den T-Shirts der Redakteurinnen und Redakteure zu lesen. Damit fordern sie von den Arbeitgebern ein Tarifangebot in der nächsten Verhandlungsrunde am 4. September, das diesen Namen verdient.

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4.09.08 16:06 Alter: 5 yrs

Tarifrunde Tageszeitungen

 

Demokratie braucht Journalismus

Vor dem Goethe-Park-Center in Bad Salzungen hatten
Kolleginnen und Kollegen der stz drei Kartons
übereinander gestapelt.
(Foto: Erik Hande)

Auf dem Meininger Marktplatz interessierten sich
Bürger und Touristen trotz Schmuddelwetters für die
beschrifteten Kartons.
(Foto: Antje Schreyl)

Vor dem Erfurter Einkaufstempel Anger 1 diskutierten,
inspiriert von den beschrifteten Kartons, Bürgerinnen
und Bürger über den Wert der Tageszeitung.
(Foto: Michael Schlutter)

Interesse für die Botschaften der Journalistinnen und
Journalisten auch in Weimar vor dem Pressehaus
von TA und TLZ.
(Foto: Candy Welz)

Mit Installationen in den Innenstädten von Bad Salzungen, Erfurt, Meiningen und Weimar haben heute Journalistinnen und Journalisten der
6 Thüringer Zeitungsverlage auf die Funktion des Journalismus in der demokratisch verfassten Gesellschaft hingewiesen. Sie sehen ihre Aufgabe in der Mitwirkung bei der Bildung der öffentlichen Meinung und der kritischen Begleitung der gesellschaftlichen Prozesse.

 

Mit der gemeinsamen Aktion von DJV und ver.di an vier von sechs Verlagsstandorten fordern sie eindringlich, dass die Tageszeitungen sich gerade wegen der schnellen Informationsbeschaffung über das Internet wieder auf ihre Stärken besinnen: Analyse, Hintergrund, Kommentierung, Sprachkraft. Die Bürger benötigen Orientierung in der Informationsflut.

 

Belege dafür haben die Journalistinnen und Journalisten zwischen 11.00 und 14.00 Uhr auf Kartons gezeigt, die für viele spontane Diskussionen von Passanten sorgten. So war unter anderem zu lesen:

 

- Eine ganz üble Kiste ist der Handel mit privaten Daten: Ohne Schlagzeilen in den Medien wäre vielleicht auch Ihr Konto abgeräumt worden.

 

- Verstecken bringt nix:

Medien bringen Licht in Herrn Zumwinkels dunkle Liechtensteiner Geldgeschäfte.

Wir berichten auch über die Familienoffensive, Herr Ministerpräsident Althaus.

 

Die Journalistinnen und Journalisten wollen die Aktion zugleich als Mahnung an die Chefetagen in den Verlagen verstanden wissen, die Voraussetzungen für diesen qualitativen Journalismus zu schaffen. „Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit in den Redaktionen angekommen“, erklärte DJV-Landesvorsitzender Wolfgang Marr. „Das belegt eine Umfrage unter Tageszeitungs-Journalisten in Thüringen.“ Das eigentlich Schlimme daran ist, dass immer weniger Zeit für die Recherche bleibt – dem Kern der journalistischen Tätigkeit.

 

Mit der Forderung nach 7,5 Prozent mehr Gehalt und Honorare geht es den Journalistinnen und Journalisten auch um die Sicherung ihrer Unabhängigkeit. Wer nur – wie die hauptberuflich Freien – 5 Euro für das Bild oder 17 Cent für die gedruckte Zeile erhält, muss sich andere Auftraggeber suchen, was die Arbeitsbelastung in den Redaktionen weiter anwachsen lässt.

 

 

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17.09.08 22:15 Alter: 5 yrs

Tarifrunde Tageszeitungen

 

Weihnachtsmänner sorgen für Stimmung

Christian Freund bringt die Weihnachtsmänner mit
einer Grußkarte in die Lokalredaktion Greiz der OTZ.

Sie liegen schon in den Regalen der Supermärkte – Lebkuchen, Pfeffernüsse und Weihnachtsengel. Sie erinnern uns daran, dass in noch nicht einmal 100 Tagen Weihnachten ist. Nicht selten stellt sich aber die Frage, muss das jetzt schon sein?

Deshalb trugen die in den Redaktionen der Thüringer Tageszeitungen verteilten Weihnachtsmänner u. a. ein Schild, auf dem zu lesen war: „Ich bin noch mal kurz da. Du kennst das ja! Du hast ja auch immer länger zu tun.“ Schmunzeln, lautes Lachen waren die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen. „Schön, dass ihr an uns denkt!“ war nicht selten zu hören. Und so machte sie einen Jux daraus, sich zwischen den Gründen für das Unwohlsein zu entscheiden: „Fühlst Du Dich auch so ausgehöhlt? Musst wohl auch immer so lange arbeiten wie ich zu Weihnachten?“ und „Hast wohl Kreuzschmerzen? Schleppst Du auch so einen Sack voll Arbeit mit Dir rum? – Das kenne ich auch.“

Nicht selten war die Verweildauer der Helfer in den Redaktionen eine längere als geplant. Gespräche wurden geführt über die nicht bezahlten Überstunden, über die miese Bezahlung der Freien. Eine Praktikantin fand die Aktion so cool, dass ihr Berufswunsch feststeht: Journalistin.

Weihnachten – ein Fest der Liebe und Familie, daran erinnerte ein weiteres Kärtchen, das mit den Weihnachtsmännern übergeben wurde: „Hast Du keine Familie? Dann ist es ja egal, wenn Du Tag und Nacht arbeitest?“ Zu Weihnachten erwarten die fest angestellten und freien Mitarbeiter/-innen bei Tageszeitungen ein Verhandlungsergebnis auf dem Gabentisch.

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