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19. Januar 2017

Landespressekonferenz

DJV Thüringen fordert Redaktionen auf, Vielfaltsversprechen einzuhalten

Der Landespressekonferenz e. V. wird künftig nicht mehr zu Pressekonferenzen vor den freitäglichen Plenarsitzungen des Thüringer Landtags einladen. Der Grund: Zuletzt hatten kaum noch Journalisten dieses Angebot genutzt. Der DJV Thüringen appelliert an die Medien im Freistaat, ihren Umgang mit den Pressekonferenzen zu überdenken und eine vielfältige, umfassende politische Berichterstattung nicht aufs Spiel zu setzen.

 

Der Landespressekonferenz e. V. (LPK) in Thüringen wird künftig auf seine regelmäßigen Pressekonferenzen vor den Plenarsitzungen im Thüringer Landtag verzichten. Das bestätigte Ulli Sondermann-Becker, Vorsitzender der LPK, im Gespräch mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) Thüringen. Die Pressekonferenzen, die stets an Freitagen vor den Sitzungen stattfanden, seien inzwischen so schlecht besucht, dass es sich nicht mehr lohne, sie anzubieten, bedauerte Sondermann-Becker.

 

Der DJV Thüringen beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge. Die Pressekonferenzen dienten nicht allein der Weitergabe von Informationen aus den aktuellen Plenarsitzungen, sondern waren stets Gelegenheiten, Themen der Politikberichterstattung aufzuspüren und zu vertiefen, denn auch die Fraktionsvorsitzenden nahmen an diesen Veranstaltungen teil. „Wenn dort nun zu manchen Terminen aus ganz Thüringen nur noch zwei Journalisten die Gelegenheit der Recherche wahrnehmen, muss einen das mindestens nachdenklich stimmen“, erklärt DJV-Landesvorsitzende Anita Grasse besorgt.

 

Sie sieht in dieser Entwicklung auch die Befürchtungen des DJV Thüringen bestätigt, dass die zunehmende Zentralisierung und Konzentration der journalistischen Arbeit in den Thüringer Redaktionen die Medienvielfalt und damit schließlich auch die Meinungsvielfalt im Land beschneidet. „Wenn in unterschiedlichen Zeitungen derselbe Text steht, weil Termine nur noch von einem Journalisten besetzt werden, dann hat das mit Vielfalt nichts mehr zu tun“, sagt Anita Grasse, „Und besonders dramatisch wird es, wenn das auch die Berichterstattung über die Landespolitik trifft, die direkte Auswirkung auf das Leben der Leser und Zuschauer in diesem Land hat oder zumindest haben kann.“

 

Kann es sich der Journalismus wirklich leisten, auf die Pressekonferenzen der LPK zu verzichten – vor allem, wenn es darum geht, auch dem eigenen Kontroll- und Meinungsbildungsauftrag gerecht zu werden? Der DJV Thüringen stellt das zumindest in Frage und fordert deshalb die Redaktionen auf, ihre Abwesenheit bei den Pressekonferenzen der LPK zu überdenken und ihr Vielfaltsversprechen einzuhalten.