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03. Mai 2020

Internationaler Tag der Pressefreiheit

Kollege Algorithmus - wie künstliche Intelligenz die Pressefreiheit beeinflusst

Dr. Falk Thomas Hartung, medienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, in der Diskussion. Screenshot: SPS

Dieser Frage sind der DJV Thüringen und die Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Thüringen, anlässlich des heutigen (3. Mai 2020) Internationalen Tags der Pressefreiheit nachgegangen. In einer Online-Diskussionsrunde trafen sich dafür Prof. Dr. Christopher Buschow von der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar, Dr. Falk Thomas Hartung, medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag, und Heidje Beutel, Journalistin und Vorstandsvorsitzende des DJV Thüringen. Moderiert wurde die Runde von der freien Journalistin Mariana Friedrich.

„‚Natural language generation‘ bekommt mehr Aufmerksamkeit als das Thema verdient.“ Mit dieser These eröffnete Prof. Buschow mit seinem Impulsvortrag die Diskussionsrunde. Damit ein solches Tool funktioniere, bräuchte es Muster wie sie bei Fußballergebnissen, Wetterdaten oder ähnlichen Datensätzen vorliegen.

Nutzer und Journalisten müssen zunächst akzeptieren, dass es solche KI-generierten Meldungen gibt und die Vorteile dieser Technologie sehen, anstatt lediglich die Gefahr von Stellenabbau im Journalismus zu sehen, warb Heidje Beutel für einen offeneren Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Dr. Hartung wies darauf hin, dass Voraussetzung für eine solche Akzeptanz eine Stärkung der Medienkompetenz sei, die idealerweise bereits an den Schulen vermittelt werde. Dies sei vor allem auch aufgrund der Algorithmen in sozialen Netzwerken nötig, weil diese schnell zu sogenannten Filterblasen führen.

„Die Potentiale künstlicher Intelligenz liegen darin, journalistische Produkte nutzerorientierter machen“, skizzierte Prof. Buschow die Vorteile der KI. Dennoch, so ergänzte Dr. Hartung, müsse mit Blick auf die bereits angesprochenen Filterblasen die Ausgewogenheit beachtet werden, damit auch die tatsächlich existente Meinungsvielfalt abgebildet werde und nicht nur ein Teil davon.

Per Chat konnten sich die Zuschauer einbringen und beteiligten sich rege am Gespräch.

Tatsächlich lassen sich nach dieser Diskussionsrunde gleich zwei Fazits ziehen:

1. Künstliche Intelligenz wird wohl weder kurz- noch mittelfristig JournalistInnen ersetzen können. Zu begrenzt sind derzeit die Möglichkeiten von Maschinen, außerhalb stark standardisierter Muster sinnvolle Texte zu generieren. Was langfristig möglich sein wird, lässt sich aufgrund der exponentiellen Entwicklung auf diesem Gebiet schwer prognostizieren.

2. Eine solche Diskussionsrunde in Zeiten von Infektionsrisiken und Kontaktbeschränkungen ins Internet zu verlagern, ist eine wirklich gute Alternative zu Präsenzveranstaltungen und hat zudem den Vorteil, dass ein Mitschnitt problemlos möglich ist. So kann die Diskussion auch denjenigen nahegebracht werden, die nicht live dabei sein konnten.