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04. Mai 2020

Zum Tod von Josef Heinrich Weiske

Er wird uns fehlen

Josef Weiske auf dem Landesverbandstag des DJV Thüringen 2015. Neben ihm Ingrid Erhardt, Gründungsmitglied des DJV Thüringen (mitte) und die damalige Geschäftsführerin des DJV Rheinland-Pfalz, Gisela Schmoldt.

Wenn wir das 30-jährige Bestehen unseres DJV-Landesverbandes Thüringen begehen, wird uns jemand fehlen, dem wir zu besonderem Dank verpflichtet sind. Unser Freund und Kollege, der hochverdiente Journalist, Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzende Josef Heinrich Weiske verstarb im Alter von 84 Jahren am 30. April in seinem Alterswohnsitz Rojales an der spanischen Costa Blanca.

 

Im Frühjahr 1990 wählten die thüringischen Bezirksverbände des Verbandes der Journalisten (VDJ) neue Vorstände. Gemeinsam waren sie auf der Suche nach ihrem Weg in einen freiheitlich-demokratisch geprägten Journalismus. Der sollte endlich an die Stelle von parteilich geprägter Agitation und Propaganda treten. Die von den letzten VDJ-Vorständen in Berlin präferierte IG Medien erschien dafür vielen als ihre Interessenvertretung fragwürdig.

 

Dazu hatten sich Kolleginnen und Kollegen von Presse, Radio und Fernsehen aus dem damaligen Bezirk Erfurt im Restaurant am Großen Herrenberg in Erfurt getroffen. Auf Einladung der späteren Betriebsratsvorsitzenden der "Thüringer Allgemeine", Doris Goebel, und von Ilse Holz, die später dem Betriebsrat der "Thüringischen Landeszeitung" vorstand, hatte sich der Vorsitzende des DJV-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Josef Heinrich Weiske, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Elke Rossow auf den Weg zu dieser Veranstaltung nach Erfurt begeben. Weiske hörte sich eine Weile die lebhafte Diskussion an. Die war damals sicherlich von mancherlei Unkenntnis über das Zusammenspiel von gewerkschaftlicher und berufsständischer Auffassung im westdeutschen Journalismusbetrieb getrübt gewesen.

 

In seinem Redebeitrag skizzierte Josef Weiske u. a. den journalistischen Alltag in seiner Redaktion "Die Rheinpfalz", warb gleichsam für einen gemeinsamen kollegialen Weg im DJV. Er bot schlicht und einfach Aufbauhilfe für einen DJV-Landesverband an, ohne die zu Beginn der 90er-Jahre üblich gewesenen Belehrungen oder gar Forderungen. Bei seinen Anregungen setzte er selbstverständlich die Fähigkeit zum Nachdenken und schließlich zur kollegialen Intelligenz voraus.

 

Wenige Wochen später lernten am 15. Juni 1990 auch die 34 Gründungsmitglieder unseres Landesverbandes Josef Weiske kennen. Parallel warb der rheinland-pfälzische Vorsitzende im eigenen Landesverband für solidarische Unterstützung und lebte diese dort vor. Weiske hatte nämlich sowohl die großen Chancen als auch Untiefen erkannt, die nicht zuletzt der untergehende DDR-Zeitungsmarkt in sich barg.

 

Deshalb förderte er maßgeblich die Partnerschaft zwischen den Journalisten in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Daraus erwuchsen zahlreiche persönliche Freundschaften, die bis heute gehalten haben.

 

17 Jahre lang war Josef Weiske Vorsitzender des DJV-Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Und wenn ihn die meisten Thüringer Gründungsmitglieder einst zum "ET – Ehrenthüringer" gekürt hatten, so würdigten sie damit besonders sein selbstloses Engagement auch für unseren Landesverband. Im Bundesverband konnte Josef Weiske bei all seiner Großherzigkeit auch Kanten zeigen, wenn es um die Situation der Kolleginnen und Kollegen zwischen Hiddensee und Fichtelberg ging.

 

Seinem Werben im eigenen Landesverband ist es zu verdanken gewesen, dass sich wenige Jahre nach Gründung des Landesverbandes die Thüringer einen Kapitalstock für ihr Sozialwerk einrichten konnten. Aus eigenem Aufkommen wäre das damals schwerlich erreichbar gewesen. Wenn seine Hilfe oder auch Meinung erbeten war, erschien ihm offenbar kein Weg aus der Pfalz zu weit nach Thüringen. Doch all diese Beispiele skizzieren nicht ausreichend unseren Freund Josef Heinrich Weiske, den wir in Thüringen sehr vermissen werden.

 

Ulrich Oertel