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16. Januar 2019

PresseFoto Hessen-Thüringen 2018

Ausstellungseröffnung im Thüringer Landtag

Birgit Diezel, Präsidentin des Thüringer Landtags, ließ es sich zum wiederholten Mal nicht nehmen, die Gäste zur Ausstellungseröffnung zu begrüßen.

DJV-Landesvorsitzende Heidje Beutel forderte eine Änderung des Thüringer Pressegesetzes und eine Abkehr von der Praxis, dass Polizei und Feuerwehren Fotos von ihren Einsätzen an die Medien geben.

Im Foyer des Thüringer Landtags sind die besten Pressefotos mit Motiven aus Hessen und Thüringen des vergangenen Jahres noch bis zum 13. Februar 2019 zu sehen. Fotos: DJV Thüringen, ms

Nachfolgend dokumentieren wir die Rede der DJV-Landesvorsitzende Heidje Beutel zur Ausstellungseröffnung im Thüringer Landtag am 15. Januar 2019, in der sie auf die Probleme des Journalismus im Allgemeinen und des Bildjournalismus im Besonderen einging. 

 

Für gute Bilder braucht man Zeit!

Die Fotos der Ausstellung zeigen deutlich, dass ein gutes Bild zwar kurz belichtet wird - dass aber meistens viel Zeit drin steckt. Der dpa-Fotograf Arne Dedert berichtete, dass er den ganzen Tag die Situation in der Wiesbadener Innenstadt beobachtet hat, als beim Kunstfestival "Wiesbaden Biennale" überraschend eine goldene Statue errichtet worden war. Sie zeigte den türkischen Staatspräsidenten Erdogan.

Einige Zuschauer fanden das geschmacklos, andere ließen sich mit ihrem Idol fotografieren. Polizisten sicherten die Kunstaktion ab. Das Foto mit dem Namen "Provokante Kunst" zeigt das alles. Die Jury hat es zu Recht zum "Foto des Jahres 2018" erwählt.

 

Im Alltag läuft es allerdings oft anders. Fotojournalistinnen und Fotojournalisten haben häufig nicht mehr genügend Zeit, ein Ereignis zu beobachten. Manchmal sagt die Redaktion: fahr mal schnell da vorbei und bring ein Bild mit. So schnell, wie das gehen soll, hätte man eigentlich gar keine Zeit gehabt, aus dem Auto auszusteigen, und müsste das Foto aus dem Autofenster schießen. Und weil alles blitzschnell gehen muss, gibt es bei Tageszeitungen zwischen 5,00 € und 25,00 € für das Foto.

 

Manchmal sind auch die Vorgaben des Veranstalters absurd: so gab es bei der Aufzeichnung der Sendung "Weihnachten mit dem Bundespräsidenten" für alle akkreditierten Fotografen ein einziges Fotomotiv - und alle hatten genau 30 Sekunden Zeit ihr Bild aufzunehmen. Es zeigt den Bundespräsidenten in der ersten Bankreihe. Das ist frustrierend und außerordentlich unoriginell. Ziemlich sicher wird niemand dieses Bild für den nächsten Foto-Wettbewerb einreichen. Solche Vorgaben reduzieren den journalistischen Anspruch auf ein Minimum. Muss man diese Fotos eigentlich publizieren?

 

Von ähnlichen Einschränkungen der Konzertveranstalter berichten häufig unsere Kolleginnen und Kollegen. Sie werden mit Verträgen geknebelt, aus der vorletzten Reihe die Fotos von den Künstlern zu machen. Aber bitte nicht das Gesicht und nach spätestens drei Liedern muss „der ganze Spuk vorbei" sein. Währenddessen fotografieren und filmen zwischen 100 und 1.000 Fans ihre Idole auf der Bühne, posten die Bilder und Filmchen oder stellen sie bei Instagram ein.

 

Liebe anwesende Abgeordnete, das kann man ändern. Geben Sie auch den für Printmedien tätigen Journalistinnen und Journalisten einen gesetzlichen Anspruch auf Kurzberichterstattung, wie sie die Vertreter der elektronischen Medien längst haben. Dann hat diese seltsame Praxis ein Ende.

 

Jedes Bild der Fotoausstellung hat eine Geschichte, die auch davon handelt, wie viel Zeit darin steckt. Wie lange kannte Steve Bauerschmidt den jungen Fußballer, bis ihm das Bild "Teamplay" gelungen ist: das Siegerfoto in der Kategorie "Menschen und Momente". Wie lange hat Eckhard Jüngel den "besonderen Transport" begleitet, bis er das beste Foto in der Kategorie "Technik und Verkehr" machen konnte.

 

Die Ausstellung zeigt die besten Bilder vom zwölften Wettbewerb PresseFoto Hessen-Thüringen 2018. Wir danken den 53 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten, die mehr als 600 Fotos eingereicht haben.

 

Auch hier sei mir noch eine Anmerkung gestattet. Die Kameraden der Feuerwehr und Polizisten machen Fotos von ihren Einsätzen für die Aus- und Weiterbildung. In Thüringen nimmt jedoch die Tendenz zu, diese Aufnahmen auch den Medien anzubieten. Jeder Polizist und jeder Kamerad der Feuerwehr würde einen Laien vom Einsatzort verjagen. Also nehmen Sie hauptberuflichen Journalistinnen und Journalisten nicht ihre Arbeit und damit ihre Verdienstmöglichkeiten weg.

 

Der DJV Thüringen organisiert diesen Wettbewerb zusammen mit dem DJV Hessen, um für professionellen Bildjournalismus zu werben. Wir kämpfen auch dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen gut bezahlt werden und genügend Zeit bekommen, um gute Bilder zu aufzunehmen. Die Fotoausstellung zeigt es: wir alle profitieren davon. Denn Bildjournalismus dokumentiert und erklärt. Fotojournalisten sind ein wichtiger Teil des Journalismus.