Die Siegerbilder des Wettbewerbs 2021

Wir wollen die besten Bilder des Fotowettbewerbs 2021 auch auf digitalem Weg einem großen Publikum präsentieren - erst recht, da die Möglichkeiten für Präsenzausstellungen nach wie vor stark eingeschränkt sind: 

"Foto des Jahres"

"(Über-) Leben und Sterben" (Kai Oliver Pfaffenbach, Hanau)

Begründung der Jury:

„This is the end“, sagt uns Jim Morrison von den Doors in seinem ins Mark gehenden Song und ahnt wohl, dass er sein Ticket für den „27 Club“ bereits gelöst hat.

Es mag ja das Ende sein, sinniert dagegen der kundige Betrachter von heute, aber wirklich dramatisch ist das wohl nicht. Die End-Räume zwischen Flensburg und Konstanz scheinen für ihn längst ihren Grusel verloren zu haben. Nicht nur einzelne Filme, ganze Krimi-Serien beziehen ihre Handlung von diesem Ort. Man kann den aufgeblasenen Prof. Dr. Dr. Boerne und seine beflissene Assistentin Silke Haller, alias „Alberich“, schon kommen hören. 

Doch halt, das ist nicht die Kulisse eines launigen Sonntagabend-Streifens. Das ist die nüchterne Realität. Das ist der Corona-Alltag.

Kai Oliver Pfaffenbach geht mit seinem Objektiv den ganzen, den bitteren Weg im Darmstädter Klinikum. Bis zum Endpunkt. Das endlose Gezerre, die unsinnigen Debatten, all den Lärm einer hedonistischen Welt, das alles lässt er mit seiner Fotografie hinter sich.

„This is the end, my only friend“, heißt es weiter im Text.

Der letzte „Freund“ das ist im richtigen Leben der Intensivpfleger, der als stummer Zeuge Abschied hält, ehe die Tür zugeht, und die Kälte kommt. Die ganze Geschichte festgehalten zu haben, das ist das große Verdienst des Reuters-Fotografen.

Ein würdiges Siegerfoto.

Segej Lochthofen

Siegerbilder "Beste Serie"

"Protestcamp gegen den A49 Ausbau" (Thomas Lohnes, Pfungstadt)

Begründung der Jury:

Zwischen Marburg und Alsfeld liegt der zu Homberg (Ohm) gehörende kleine Stadtteil Dannenrod. Unweit davon der Dannenröder Forst, ein Waldgebiet durch das künftig die Autobahn A49 verlaufen soll. Gegen die Flurbereinigung zum Herstellen der Autobahntrasse formierte sich heftiger Widerstand hunderter Aktivisten mit Barrikaden und Baumhäusern und Protestaktionen. Der Kampf war verloren, die Polizei räumte über Wochen das weitläufige Areal.

Der Fotograf Thomas Lohnes verfolgte die Geschehnisse mit seiner Kamera und hielt zahlreiche bewegende Momente fest. Zu sehen sind eine Aktivistin mit ihrer Gitarre in ihrem Baumhaus in 15 Metern Höhe, Einblicke in das Kochhaus eines Protestcamps, der Star-Pianist Igor Levit, der auf einem Klavier spielt und letztlich die Räumung durch die Polizei. Bilder, die in ihrer Gesamtheit in der Kategorie „Beste Serie“ die Jury überzeugten und auf dem 1. Platz landeten.

Axel Häsler

Siegerbild Sonderthema "Endlich! - Neustart Kultur"

„Tanzen mit Abstand“ (Marco Kneise, Sondershausen)

Begründung der Jury:

Es ist der perfekte Moment, der Augenblick der größten Ausspannung des Tänzers. Wer Tanzende fotografiert, will genau jenen Punkt festhalten, in dem die Bewegung scheinbar zum Stillstand findet, um sich dann umzukehren und eine neue Richtung zu nehmen. Diesen Punkt hat Marco Kneise präzise getroffen.

Doch den Tänzerinnen und Tänzern fehlt das Unbeschwerte ihres Tuns. Etwas ganz Unkünstlerisches drängt sich dazwischen: die Maske. Sie ist das Symbol für die Zeit der Pandemie, der Aufreger, der eine ganze Gesellschaft spaltet. Für die einen eine medizinische Notwendigkeit, für die anderen der Beweis für die Abschaffung des Grundgesetzes.

Die Kunst des Tanzens veredelt jenes Stückchen Stoff. Es wird Requisit und Symbol, Metapher oder Notwendigkeit. Es gibt den Gesichtern andere Ausdrücke, verwandelt bekannte Gesten in etwas Neues, das sich nicht einfach in Worte umwandeln lässt.

Die inhaltliche Genauigkeit und die technische Präzision des Fotos hat die Jury überzeugt und es zum Sieger in der Kategorie „Sonderthema: Endlich! – Neustart Kultur“ zu küren.

Dr. Bernd Seydel

Siegerbild "Menschen & Momente"

„Kannste Kanzler?“ (Nadine Weigel, Rauschenberg)

Begründung der Jury:

Hemdsärmelig, die Hände abwehrend erhoben, ein Mann beugt sich ihm gestikulierend zu, er spürt die anerkennende Hand eines SPD-Fahnenschwenkers auf der Schulter, eine Frau hält ihr Smartphone bereit: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zeigt im Wahlkampf beim Bad in der Menge auf dem Marktplatz in Marburg Emotionen: Zwar wehrt er noch mit den Händen ab, aber sein Gesicht ist ganz verschmitzte Freude. Nix Scholzomat, nix hanseatisch-unterkühlt.

Wir wissen nicht, was Olaf Scholz in diesem Moment solche Freude bereitet, wir wissen aber, dass der für seine schon mal als langweilig empfundene Sachlichkeit bekannte Politiker selten Emotionen zeigt. Daher ist das auch auf dem Foto vorhandene Thema „Corona, Maske, Abstand“ lediglich begleitender Zeitgeist: Der Emotionen zeigende Scholzomat bestimmt die Bildaussage.

Pressefotografin Nadine Weigel hat auf einem Routinetermin das Besondere in diesem Moment gesehen. Ein verdienter, ein fröhlicher erster Preis, trotz Corona.

Hemdsärmelig, die Hände abwehrend erhoben, ein Mann beugt sich ihm gestikulierend zu, er spürt die anerkennende Hand eines SPD-Fahnenschwenkers auf der Schulter, eine Frau hält ihr Smartphone bereit: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zeigt im Wahlkampf beim Bad in der Menge auf dem Marktplatz in Marburg Emotionen: Zwar wehrt er noch mit den Händen ab, aber sein Gesicht ist ganz verschmitzte Freude. Nix Scholzomat, nix hanseatisch-unterkühlt.

Wir wissen nicht, was Olaf Scholz in diesem Moment solche Freude bereitet, wir wissen aber, dass der für seine schon mal als langweilig empfundene Sachlichkeit bekannte Politiker selten Emotionen zeigt. Daher ist das auch auf dem Foto vorhandene Thema „Corona, Maske, Abstand“ lediglich begleitender Zeitgeist: Der Emotionen zeigende Scholzomat bestimmt die Bildaussage.

Pressefotografin Nadine Weigel hat auf einem Routinetermin das Besondere in diesem Moment gesehen. Ein verdienter, ein fröhlicher erster Preis, trotz Corona.

Rita Funk

Siegerbild "Sport & Freizeit"

„Bei jedem Wetter“ (Sascha Fromm, Amt Wachsenburg)

Begründung der Jury:

Beim ersten Betrachten der Fotografie „Bei jedem Wetter“ von Sascha Fromm, fällt der Kontrast zwischen der dunkelgrauen Wolkenwand auf, dass die obere Hälfte des Bildes dominiert. Gleich darunter ein etwas hellerer Himmel, in dem sich der Regen aus den schweren Wolken löst. Blickfang dieser eindrucksvollen fotografischen Momentaufnahme bildet ein durch Farbigkeit und Lebendigkeit, inmitten natürlicher Umgebung von satt grünen Feldern und Wiesen liegender Sportplatz, auf dem mehrere Jungen zwischen zwei mit roten-weißen Netzen bespannten Toren ins Fußballspiel vertieft sind. Sie sind vollständig auf ihr Spiel konzentriert, dass sie alles um sich herum vergessen und auch das sich düster über ihnen zusammenziehende Unwetter sie nicht stört. Viel wichtiger ist es, dem Ball zu erobern und erfolgreich ins Tor zu lenken.

Dieses Foto erzählt eine großartige Geschichte und bringt auf den Punkt, wie wichtig das spielerische Messen und Entfalten körperlicher und strategischer Kräfte im Zusammenspiel mit Gleichgesinnten in freier Natur für Kinder und Jugendliche ist, die durch zurückliegende pandemiebedingte Einschränkungen immer wieder und über lange Zeit auf die Erfüllung dieser elementaren Bedürfnisse verzichten mussten. Fotografisch und inhaltlich ein besonders herausragender, preiswürdiger Bildbeitrag.

Prof. Rüdiger Pichler

Siegerbild "Umwelt & Natur"

„Hochwasser“ (Michael Probst, Frankfurt/Main)

Begründung der Jury:

Lange bevor Hochwasser im Sommer zu einem der prägenden Bildthemen des Jahres 2021 werden sollte, konnte Michael Probst im Februar mit seiner Drohnenaufnahme eine fast unwirkliche Szene festhalten: Ein Zug passiert in Nidderau bei Frankfurt einen durch Überschwemmungen temporär nutzlos gewordenen Bahnübergang. Die Macht der Natur wird durch das fast monochrome Braun des Wassers - das den überwiegenden Teil des Fotos ausfüllt und dem Zug bedrohlich nah kommt - mehr als deutlich. Die abgebildeten technischen Errungenschaften der Menschen wirken deplatziert und klein. Probst hat kompositorisch genau im richtigen Moment ausgelöst; der rote Regionalzug bringt Farbe und Bewegung ins Bild, zentraler Protagonist bleibt jedoch das Wasser. Ein so ungewöhnliches wie verdientes Gewinnerbild für die Kategorie „Umwelt und Natur“.

Henner Flohr

Siegerbild "Technik & Verkehr"

„Lufthansa Refit“ (Lucas Bäuml, Frankfurt/Main)

Begründung der Jury:

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte, heißt es so schön. Hier passt es wirklich und deshalb kann ich mich auf einhundert Worte beschränken. Das Foto bringt zum Ausdruck, was wir mit „Verkehr und Corona“ in Verbindung bringen: Lockdown, Stillstand, auch im Luftverkehr. Es ging nicht mehr um die vermeintlich unnötige Kurzstrecke, die aufschiebbare Reise in den Urlaub oder einen vermeidbaren Geschäftsflug. Nein, nichts ging mehr – und das von jetzt auf gleich.

Lucas Bäuml bildet mit seinem Foto aber jenseits des Stillstandes im Luftverkehr die Atmosphäre dieser Monate ab: Düstere Zeiten, Totenstille in vielen Bereichen.

Dirk Metz

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